Führung durch die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Am 2. Februar 2026 nahmen Mitglieder der AWO Dresden und AWO Sächsische Schweiz an einer Führung durch die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein teil. Melanie Wahl, Referentin der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein und Erik Vogel, ehrenamtlicher Peer-Guide, berichteten über die Geschichte der fortschrittlichen, humanistischen Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein von 1811 bis 1939 und die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein während der Zeit der „Aktion T4“ von Juni 1940 bis August 1941. Nach einer Annäherung an die menschenverachtende NS-Ideologie erklärte Erik Vogel die Erfassung und „Begutachtung“ der Patienten durch Meldebogen. Vier Ärzte entschieden in der Berliner Tiergartenstraße 4 anhand weniger Angaben über die Tötung von Menschen mit Behinderungen - ohne die Patienten je gesehen zu haben. Am Beispiel von Walter Lauer, der in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet wurde, zeigte Melanie Wahl die Lügen und Vertuschungen gegenüber den Patienten und ihren Angehörigen auf. Im Kellerbereich, wo heute an individuelle Einzelschicksale erinnert wird, töteten die Nationalsozialisten mindestens 14 751 Menschen. Die Mehrzahl von ihnen wurde aufgrund von Krankheiten oder Behinderungen stigmatisiert und ermordet. Die Leichen wurden verbrannt, ihre sterblichen Überreste häufig hinter dem Gebäude auf den Elbhang gekippt. Heute ist dieser Bereich als Gräberfeld geweiht.
Die Nähe zur Bevölkerung wird hier besonders offensichtlich: am Fuß des Elbhangs stehen seit Jahrhunderten Wohnhäuser. Proteste aus der Bevölkerung gab es damals kaum. Erst der Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen sprach die „ungeheuerlichen Vorgänge“ offen an. Dies führte zum Abbruch der zentralen Tötungsaktion im August 1941. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Nationalsozialisten über 70 000 Menschen in sechs Tötungsanstalten ermordet. Viele der Täter blieben ungestraft. Zu gering war das Bewusstsein, dass die Tötung Menschen mit Behinderung ein Verbrechen war. In direkter Nachbarschaft zur Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein unterhält die AWO Sonnenstein gGmbH seit über 25 Jahren eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, was die grausame Geschichte des Ortes bewusst konterkariert.
Wir danken Melanie Wahl und Erik Vogel für die Führung und ihr Engagement in der inklusiven Gedenkstättenarbeit.
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